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Designer*innen & Hersteller

Ganz schön gelenkig

Ganz schön gelenkig

Tischgestell LEVI ist ein neues MAGAZIN-Produkt – und ein wahrer Verwandlungskünstler, der schnell verstaut ist und sich in ganz unterschiedlichen Rollen wohl fühlt. Entwickelt haben das Gestell zwei Newcomerinnen.

Text: Jochen Overbeck
Fotos: Michael Tewes

„Wir waren beim Blick auf den Status quo erstaunt, dass es noch nichts Vergleichbares gibt“, sagt Marie Kurstjens, während sie freundlich auf eine der Stangen von LEVI klopft. LEVI, das ist ein Tischgestell mit gekreuzten Streben und neu in der Kollektion der MAGAZIN-Produkte. Das Gemeinschaftsprojekt von Marie Kurstjens und Iva Coskun erreicht seine Formschönheit durch Reduktion. Der Clou ist dabei erst auf den zweiten Blick sichtbar – und doch der zentrale Punkt des Möbelstücks: Das Kreuzgestell besitzt ein Gelenk, dort, wo die beiden Stangen sich treffen. LEVI lässt sich in seiner Breite und Spannweite also verstellen, so dass unterschiedlich große Tischplatten darauf Platz finden können. Und klappt man es ganz zusammen, gibt es sich sogar mit einem Platz hinter der Tür zufrieden. Die Geburt von LEVI datiert auf das Jahr 2019. Kurstjens und Coskun studierten an der Bauhaus-Universität Weimar Produktdesign. Im zweiten Semester lautete das Thema: „Arbeitsplatz“.

Die Frage: Was muss ein Tisch können, der in Bereichen verwendet wird, in denen sich Konfigurationen ändern, in denen ab-, auf-, umgebaut wird? Früh fiel den beiden auf, dass die Uni zwar schöne Schreibtische besaß. Die waren indes wenig variabel, ließen sich kaum auf unterschiedliche Arbeits- und Präsentationssituationen ausrichten. „Das Prinzip mit dem Gelenk hatten wir schnell raus“, sagt Coskun. Das Arbeiten in den Werkstätten sei die eigentliche Hürde gewesen. „Die konkrete Umsetzung des Gestells im Maßstab eins zu eins erforderte viel Testen, Anpassen und Optimieren. Das Prinzip war klar, aber die Konstruktion wurde im Prozess entwickelt und verfeinert.“ Hinzu kam die Erfahrung, dass junge Frauen in Werkstätten nicht immer ernst genommen werden, was zusätzliche Herausforderungen im Entwicklungsprozess mit sich brachte. Noch im selben Jahr bewarben sich Iva Coskun und Marie Kurstjens beim „Pure Talents Contest“ der Kölner Möbelmesse.

Dass sie, das einzige Frauenteam und die mit Abstand jüngsten Teilnehmer*innen, den Nachwuchswettbewerb als Gewinnerinnen verließen, scheint sie heute noch aufrichtig zu überraschen – und zu freuen. Erst recht, dass das Tischgestell nun in die Produktion geht, mit einer der Pandemie geschuldeten Zeitverzögerung. Für beide ist es der erste Möbelentwurf – doch sie fassen den Begriff der Gestaltung weiter. Kurstjens beschäftigt sich vor allem mit Social Design und wurde dieses Jahr als „Newcomer of the Year“ des German Design Award ausgezeichnet; als Masterarbeit an der Universität der Künste Berlin entwickelte sie „Designing Dignity“, ein modulares System für menstruierende Personen auf der Flucht. Coskun schließt in Kürze ihren Master ab, ebenfalls an der UdK. In ihrer Arbeit „Ornaments of Care“ untersucht sie die Verdrängung ornamentaler Praktiken. Sie plädiert dafür, Ornamentik, die im modernen Designdiskurs ein negatives Image hat, wieder verstärkt ins Produktdesign einzubeziehen.

Tischgestell LEVI

LEVI ist das lateinische Wort für „leicht" und weist in diesem Fall sowohl auf das geringe Gewicht und die dadurch unkomplizierte Handhabung hin. Im Büro als Arbeitstisch, in Wohnräumen als Esstisch und überall als schnell aufgebauter Zusatztisch kann LEVI mit runden, rechteckigen und quadratischen Tischplatten kombiniert und genutzt werden. Praktisch: Anders als bei anderen Gestellen, ist durch die Kreuzstellung der Beine rundherum dieselbe Beinfreiheit vorhanden. Und wer die Füße gerne auch mal hoch stellt, dreht LEVI einfach auf den Kopf und nutzt hierfür das Kreuz im unteren Bereich.

299,00 €

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