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Designer*innen & Hersteller

„ZIRKULARITÄT IST EINE GROSSE CHANCE“

Sabine de Schutter mit ihrem Team

Alte Leuchten wiederverwenden und aufrüsten: Innenarchitektin Sabine De Schutter ist Expertin für zirkuläre Beleuchtung. Mit ihrem Berliner Lichtplanungsbüro Studio De Schutter entwickelt sie innovative Lichtkonzepte – mit dem Ziel, Abfall zu vermeiden und Ressourcen möglichst lange im Kreislauf zu halten. Im Interview spricht De Schutter über verklebte Billigprodukte und darüber, warum echte Nachhaltigkeit weit über Energieeffizienz hinausgeht.

Interview: Katharina Rudolph

Frau De Schutter, wie funktioniert zirkuläre Lichtplanung?
Bei neuen Projekten prüfen wir zuerst, welche Leuchten ein Kunde, der zum Beispiel von einem alten Standort an einen neuen ziehen möchte, schon im Bestand hat. Dann gibt es verschiedene Strategien: Bestehende Leuchten werden eins zu eins wiederverwendet, umgebaut oder weitervermittelt. Manchmal geben wir sie auch an Hersteller zurück.

Ist es nicht unüblich, dass Firmen ihre Produkte zurücknehmen?
Ja, bislang ist das die Ausnahme. Viele Unternehmen sind auf das klassische Verkaufsmodell ausgerichtet, zirkuläre Ansätze sind noch Neuland. Aber es entwickeln sich immer mehr Hersteller in diese Richtung.

Lassen sich alle alten Leuchten umrüsten?
Viele Leuchten aus der ersten LED-Phase, etwa zwischen 2008 und 2015, sind problematisch. Sie wurden oft fest verklebt, man kommt kaum an die Bauteile ran. Hinzu kommt häufig eine geringe Lichtqualität. Leuchten aus der Zeit vor der LED-Technik lassen sich dagegen deutlich besser aufrüsten, klassische Systeme mit Leuchtstoffröhren oder Halogen haben meist standardisierte Fassungen und austauschbare Komponenten. Für ein Büro in Düsseldorf haben wir bestehende Leuchten mit einem LED-Refit sowie neuer Steuerungstechnik versehen. Früher konnten die Lampen dort nur ein- oder ausgeschaltet werden, jetzt lassen sich per Knopfdruck verschiedene Lichtszenarien abrufen.

Sind LEDs heutzutage nicht immer noch oft verklebt?
Schon. Aber viele große Hersteller bieten mittlerweile auch LED-Systeme mit austauschbaren Komponenten an. Das kostet etwas mehr, erhöht aber die Reparierbarkeit. Genau dort setzt auch die aktuelle Diskussion um das europäische „Right to Repair“ an: Produkte sollen künftig leichter repariert und damit langfristig genutzt werden können.

Ist nachhaltige Beleuchtung zwangsläufig teurer?
Kurzfristig meist ja. Der Umbau bestehender Leuchten zum Beispiel ist aufwendig und deshalb teurer als der Neukauf verklebter Billigprodukte. Langfristig relativiert sich das aber. Gerade in dynamischen Bereichen wie Office oder Gastronomie ändern sich Nutzungen häufig nach wenigen Jahren. Eine Leuchte hat aber oft eine Lebensdauer von etwa 15 Jahren. Warum sie also nach fünf Jahren entsorgen? Das ist eine riesige Materialverschwendung!

Wird Nachhaltigkeit in der Lichtbranche oft zu einfach gedacht? Stichwort Greenwashing …
Man muss bei Herstellern genau hinschauen. Lange galt: LED = nachhaltig. Dabei wird oft vergessen, dass die Herstellung von LEDs und elektronischen Komponenten ressourcen- und CO2-intensiv ist. Auch Smart-Lighting-Systeme werden gern als nachhaltige Lösung vermarktet, weil sie Energie einsparen können. Eine hoch-komplexe Steuerung, die nach wenigen Jahren veraltet ist oder ersetzt werden muss, ist aber nicht automatisch nachhaltig, nur weil sie Strom spart. Greenwashing entsteht dort, wo nur über Energieeffizienz gesprochen wird und nicht über den Lebenszyklus eines Produkts: Woher kommen Materialien? Lassen sich Komponenten reparieren oder austauschen? Wie lange bleibt das System nutzbar?

Sie arbeiten viel mit Tageslichtanalysen. Spielt das im Hinblick auf Zirkularität eine Rolle?
Ja, für einen Co-Working-Space in Berlin haben wir analysiert, wie sich das Licht über den Tag im Raum verteilt. Daraus haben wir abgeleitet, wann und wo es zusätzliches künstliches Licht braucht. Anschließend wurden in den Fluren entsprechende Schaltkreise und Zeitschaltuhren installiert. So geht immer nur so viel Licht an, wie gerade gebraucht wird.

Was bremst zirkuläres Lichtdesign derzeit noch aus?
Eine große Hürde sind Gewährleistungen. Es ist ein Unterschied, ob eine Leuchte frisch aus dem Werk kommt oder umgebaut ist. Wie ist die umgebaute zertifiziert, wer haftet? Hinzu kommen Fragen der Verfügbarkeit: Man weiß oft nicht, ob man passende Leuchten findet und wie aufwendig der Umbau wird.

Und welche Chancen sehen Sie?
Eine große Chance liegt in größerer Transparenz. Mit digitalen Produktpässen wird künftig nachvollziehbar, welche Materialien und Komponenten in einer Leuchte verbaut sind, wie reparierbar sie ist und welchen CO2-Fußabdruck sie über ihren Lebenszyklus hat. Gleichzeitig steckt enormes Potenzial in der intelligenten Weiterentwicklung von Leuchten. Die Umrüstungen, die wir planen, sind meist keine standardisierten Serienprozesse, sondern individuelle Lösungen. Genau darin liegt eine große Chance – und zwar fürs Handwerk!

Sabine de Schutter

Die gebürtige Belgierin Sabine De Schutter studierte Innenarchitektur in Antwerpen und Barcelona sowie Architectural Lighting Design an der Hochschule Wismar. 2015 gründete sie das Lichtplanungsbüro Studio De Schutter mit Standorten in Berlin und Antwerpen. Sie verfolgt einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz mit langlebigen, reparierbaren und flexibel anpassbaren Lösungen. Sabine De Schutter lehrt unter anderem an der HPI d­school des Hasso­Plattner­Instituts in Potsdam sowie an der Hochschule Wismar.

Bilder: Sabine De Schutter, Florian Reimann

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