Einer zum Umziehen

Raumgreifend und konventionell, so kennen wir den Kleiderschrank. Doch das geht auch anders, wie MAGAZIN mit dem neuen MAGAZIN-Produkt P100 zeigt: Der Schrank basiert auf einer Stahlkonstruktion, die mit Platten aus einem neuartigen, nachhaltigen Holzwerkstoff beplankt ist. Auch die Ästhetik ist durch und durch MAGAZIN.

Text: Jochen Overbeck

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Nein, der Kleiderschrank hat es nicht leicht. Als stauraumstiftender Problemlöser wird er zwar wertgeschätzt. Aber geliebt oft nicht, kann er doch dominant und raumgreifend auftreten. Außerdem: Die bei diesem Möbeltyp üblichen Materialien haben keine Raffinesse, die Konstruktionsweise ist häufig konventionell. An Auf- und Abbau oder Umzüge gar nicht erst zu denken.

Aber schauen wir uns den Problemfall genauer an. „Was muss ein Kleiderschrank können?“, fragt Daniel Kern. „Es ist ein Volumen, das im Wesentlichen Ordnung in die Kleidung bringt und sie vor Staub und UV-Licht schützt“, so der Leiter des Produktdesignteams von MAGAZIN. Seine Aufgabe war es, den Schrank anders zu denken. Also: eine bessere Konstruktion zu finden und kritisch auf die Materialien zu schauen. „Die Idee war, die konventionelle Spanplattenbauweise mit einer tragenden Stahlstruktur zu ersetzen“, so der Designer. „Dann haben wir nach einem Material gesucht, mit dem wir die Konstruktion beplanken können.“

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Daniel Hahnemann, langjähriger Ratgeber für MAGAZIN in Sachen Möbelbau und diplomierter Umweltwissenschaftler, schlug einen neuartigen Plattenwerkstoff vor. Der sich schnell als ideal erweisen sollte. Denn die aus regional geerntetem Holz produzierte Platte verzichtet komplett auf synthetische Inhaltsstoffe. Im Herstellungsprozess werden die natürlich im Holz enthaltenen Harze herausgelöst und als Bindemittel genutzt. Das ergibt ein feinstrukturiertes Plattenmaterial mit vielen guten Eigenschaften: Es ist form- und kantenstabil, mit einer Stärke von 8 Millimetern schön filigran, baubiologisch hervorragend für die Nutzung in Innenräumen geeignet und in der nichtbeschichteten Version schlussendlich sortenrein zu recyceln.

Doch nicht nur das Material des P100 verspricht Nachhaltigkeit. Die Langlebigkeit der Konstruktion ist ebenso wichtig: Der tragende Stahlrahmen mit seinen metrischen Schraubverbindungen ist robust und garantiert einfachen und verschleißlosen Auf- und Abbau. Spätestens beim nächsten Umzug eine willkommene Eigenschaft. P100 kommt als eintüriges Element, das sich beliebig zu Mehrtürern aneinanderreihen lässt. Auch mit seiner Formensprache fügt sich P100 nahtlos in die Familie der MAGAZIN-Produkte ein. Daniel Kern verzichtet auf überflüssige Designzutaten und zeigt die Konstruktionsidee offen – die sich weit öffnenden Drehbeschläge der Türen sowie die durchlaufenden stählernen Griffleisten.

Der Problembär Kleiderschrank ist also – nun – nicht gezähmt worden, das wäre ja auch langweilig. Eher hat er ein sympathisches Selbstbewusstsein entwickelt. Packen Sie ihn voll, – er freut sich darauf.

Bild: Lena Giovanazzi (Portrait)