Zusammenspiel auf dem Tisch

Die junge Designerin Julia Dichte hat für MAGAZIN eine zeitgenössische Tischwäsche-Serie entwickelt. Hergestellt wird EQUIPE von einer französischen Weberei.

Text: Bettina Homann

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Zu Beginn eines Dinners, so lautete einst eine Regel für gelungene Haushaltsführung, solle die Gastgeberin ein Glas Rotwein verschütten. Danach könnten sich die Gäste entspannen, weil sie nicht mehr fürchten müssten, an den Flecken auf dem Tischtuch schuld zu sein. Der Wasch- und Bügelaufwand dürfte dazu beigetragen haben, dass Tischwäsche ein wenig aus der Mode geraten ist. „Ich habe Tischtücher eigentlich immer mit meiner Oma verbunden“, sagt Textildesignerin Julia Dichte. „Mit einem eher angestaubten Einrichtungsstil.“ Aber gerade weil es für eine junge Designerin nicht naheliegend schien, hat es Dichte gereizt, über das Thema Tischwäsche noch einmal neu nachzudenken. Sie tat das während eines dreimonatigen Praktikums bei MAGAZIN, für das sie im Rahmen des German Design Graduates-Förderprogramms ausgewählt wurde. Sie hatte mit ihrer Bachelor-Arbeit „Ein Mops kam in die Küche“ überzeugt, in welcher sie das abstrakte Prinzip der Rekursion, eines Vorgangs, der sich immer wieder selbst aufruft, wie das berühmte Kinderlied, in eine Deckenkollektion umsetzte.

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Auch für MAGAZIN, das seinen Ursprung im Industriedesign hat, lag die gutbürgerliche Welt der Tischwäsche etwas außerhalb des sonstigen Sortiments. Spannende Voraussetzungen also für eine Neuentwicklung. Das Ergebnis dieses Zusammenspiels ist die Kollektion EQUIPE, eine Serie von gestreiften eckigen und runden Decken in verschiedenen Größen, die man modular und vielseitig zur Tischdekoration zusammenstellen und auch übereinander legen kann. Durch eine ausgeklügelte Webtechnik sind die Decken beidseitig verwendbar. Und da die Rückseite anders aussieht als die Vorderseite, hat man sozusagen zwei in einer. „Ich wollte, dass die Decken flexibler und frischer sind, als man das kennt und dass man durch die unterschiedlichen Seiten die Möglichkeit hat, verschiedene Stimmungen auszudrücken“, so Dichte. Und sollte doch mal wer kleckern, dreht man die Decke einfach um.

Entwickelt wurde die Serie gemeinsam mit der französischen Textilweberei Tissage Moutet „Wir haben viel herumprobiert und mit unterschiedlichen Bindungen experimentiert“, erzählt die Designerin, die eine Weile im französischen Baskenland vor Ort war. Mit Bindung wird beschrieben, wie genau beim Webprozess die Fäden verbunden werden. Damit bei einem Stoff nicht nur beide Seiten „vorzeigbar“ sind, sondern auch noch unterschiedlich aussehen, braucht es viel technische Expertise und Flexibilität – beides ist bei Tissage Moutet vorhanden. EQUIPE könnte auch Textilmuffeln Lust machen, den Tisch mal anders zu decken als gewohnt. Zumal der robuste Stoff bei 60 Grad in der Maschine gewaschen werden und somit auch von Familien mit Kindern sorglos genutzt werden kann.

JULIA DICHTE

julia dichtejulia dichte

Ihr Weg zum Textildesign führte Julia Dichte von einer Ausbildung zur Friseurin über ein Illustrationsstudium, in dem sie ihre Liebe zu Strukturen, Mustern und Oberflächen entdeckte. Mit ihrem Bachelorprojekt an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein erregte sie die Aufmerksamkeit von MAGAZIN. Dichte absolvierte den Masterstudiengang Conceptual Textile Design an der Burg Giebichenstein.

Bilder: @Tissage Moutet