In Stein gegossen

Besuch bei Kaufmann Keramik in Rehau

Warum immer alles neu erfinden? Schon seit Jahrtausenden kennen und nutzen Menschen die besonderen Eigenschaften von Keramik: Offenporig gebrannter Ton nimmt rund zehn Prozent Feuchtigkeit aus der Luft auf und gibt sie langsam wieder ab. Das prädestinierte Keramikgefäße von jeher für die Lagerung und Kühlung von Lebensmitteln. Auf dieses traditionelle Know-how griff auch der Frankfurter Designer Kai Linke zurück, als er gemeinsam mit Kaufmann Keramik seine REHAU-Kollektion entwickelte. „Man mag vielleicht denken, Kunststoff oder Glas wären am besten geeignet zur Aufbewahrung, aber das stimmt oft gar nicht“, so der Designer. Zur REHAU-Kollektion gehören ein Brotkasten, ein Vorratskasten für Gemüse und ein Getränkekühler, alle einfach, klar und zeitgemäß in Form und Funktion. Als Designer sieht sich Kai Linke in der Verantwortung, neue Anwendungen und Produkte für überkommene Materialien und Handwerkstechniken zu entwickeln. Nur so könne altes Wissen bewahrt werden für die Zukunft.

Mit diskreten Konstruktionsdetails machte Linke die Gefäße noch besser: Der Vorratskasten verfügt über kleine Löcher, damit die Luft zirkulieren kann. Der Boden des Brotkastens ist versiegelt, dadurch lässt er sich besser reinigen. Auch das Innere des Kühlers ist am Boden glasiert, sodass keine Feuchtigkeit nach unten abgegeben wird. Hergestellt wird die ganze Kollektion in Handarbeit bei Kaufmann Keramik in Oberfranken, in der namensgebenden Gemeinde Rehau. Sie liegt mitten in der traditionsreichen deutschen Porzellan- und Keramikregion unweit der tschechischen Grenze. Insgesamt rund 70 Männer und Frauen sind in der Manufaktur beschäftigt, neben Linke gestalten auch der Designer Sebastian Herkner oder die Innenarchitekten Studio Aberja Ofenkacheln und Fliesen für das Familienunternehmen.

Jedes einzelne Stück der REHAU-Kollektion geht bei Kaufmann Keramik durch viele Hände, vom Gießen des flüssigen Tons in die Form über das Trocknen, Säubern, Schleifen bis hin zum Glasieren und Brennen im rund 1 050 °C heißen Ofen. „Mein Designerherz schlägt einfach höher, wenn ich sehe, wie hier gearbeitet wird“, schwärmt Linke. „Wie oft ein Produkt in die Hand genommen wird. Man kann das Handwerk in den Sachen richtig spüren.“

KAI LINKE
ist Produkt- und Ausstellungsdesigner mit Studio in Frankfurt am Main.

Bilder: Ingmar Kurth; Michael Tewes

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