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Let it shine!

Dass Solartechnik viel mehr kann als Strom zu erzeugen, zeigen Designer*­innen wie Marjan van Aubel, Samuel Wilkinson und Pauline van Dongen. Sie entwerfen Leuchten, Tische und Shirts, die Mobiltelefone aufladen, Licht ins Dunkel bringen und die selbstverständlich gut gestaltet sind.

Text: Claudia Simone Hoff

Wie wichtig es ist, sich unabhängig zu machen von fossilen Energien, offenbarte sich mit großer Wucht im vergangenen Jahr. Dabei gibt es bereits zukunftsfähige und nachhaltige Alternativen mit integrierter Solartechnik, die sowohl funktional als auch ästhetisch alltagstauglich sind – darunter mobile Akkus und Leuchten, Heizdecken oder ganze Architekturen.

Zehn Jahre ist es her, dass Olafur Eliasson und Frederik Ottesen mit Little Sun ein Unternehmen gründeten, das nachhaltige Solarprodukte entwickelt. Bisher haben sie drei Leuchten mit Zusatzfunktionen auf den Markt gebracht, die vor allem für die rund 1,1 Milliarden Menschen weltweit gedacht sind, die nicht über eine konstante Stromversorgung verfügen. Dahinter steckt die Idee, dass die einmalige Investition
in eine Solarleuchte für die Erzeugung von Licht dauerhaft deutlich günstiger, umweltfreundlicher und weniger gefährlich ist, als fossile Brennstoffe wie Petroleum zu nutzen. Bisher gibt es drei Produkte: „Little Sun Original“ in Form einer markanten gelben Sonne ist eine kompakte, mit Solarzellen betriebene Leuchte mit Trageband. Dazu gesellt sich „Little Sun Charge“ mit integrierter LED zum Laden von Mobiltelefonen und anderen kleinen Elektrogeräten sowie die Tischleuchte LittleSun Diamond (siehe Seite 134), die im hellsten Modus bis zu fünf Stunden leuchtet.

Während das Projekt Little Sun eine stark soziale Komponente hat, möchte Marjan van Aubel Solardesign in unser aller Alltag integrieren. Die niederländische Gestalterin mit eigenem Studio in Amsterdam ist eine Pionierin, was das Entwerfen mit Solartechnik betrifft. Sie entwickelt Produkte und temporäre Architekturen, in denen Solartechnik entweder beinahe unsichtbar integriert ist oder als explizites Gestaltungselement fungiert – und zugleich einen Mehrwert wie das Erzeugen von Strom schafft. Daneben organisiert van Aubel Ausstellungen und schreibt Bücher über das komplexe Themenfeld Solartechnik, Architektur und Design. Ihr wohl bekanntester Entwurf ist die stromunabhängige Pendelleuchte „Sunne“. Vor dem Fenster platziert, speichert sie die Energie der Sonnenstrahlen in einer integrierten Batterie. Die Leuchte kann Lichtstimmungen wie Sonnenaufgang, Sonnenlicht und Sonnenuntergang imitieren.

Eine andere Solarexpertin ist Pauline van Dongen. Die niederländische Designerin entwirft vorrangig Kleidungsstücke mit integrierten Solarzellen wie das „Solar Shirt“, doch hat sie auch Produkte für den Wohnbereich entwickelt. Während eines Workshops mit Bureau Ruimtekoers entstand mit „Zonderzetter“ eine keramische Solarfliese, die als Untersetzer dient. In der Oberfläche integriert sind ein Solarpaneel und eine LED, sodass der darauf abgestellte Drink effektvoll von unten beleuchtet wird. Weniger spielerisch, doch dafür ebenso überraschend ist ein textiler Stoff mit eingewebten Dünnschichtsolarzellen. „Zonnestof“ soll im Unterschied zu starren Solarpaneelen auf Dächern und Feldern einen direkten und taktilen Umgang mit der Sonne als Energiequelle ermöglichen, so die Designerin. Ihr geht es ebenso wie Marjan van Aubel darum, ein Bewusstsein für das Thema erneuerbare Energien zu schaffen. Beide stehen hinter der Initiative The Solar Biennale, die letzten Herbst in Rotterdam stattfand. Am Het Nieuwe Instituut in Rotterdam war bis vor Kurzem auch die Ausstellung „The Energy Show – Sun, Solar and Human Power“ zu sehen.

Wie im Produktdesign bleiben auch in der Architektur die Möglichkeiten der Gestaltung mit Solartechnik noch weitgehend ungenutzt. Wie beides zusammenkommen kann, zeigt ein Entwurf von Samuel Wilkinson Studio, der vom amerikanischen Start-up Solar produziert wird. „E-Cacia“ ist ein Unterstand, dessen LED-beleuchtetes Dach sieben Meter weit spannt und an einen afrikanischen Akazienbaum erinnert. Die Sonnenstrahlen, vor denen der Unterstand Schutz bieten soll, werden mithilfe von Solarpaneelen in Strom umgewandelt. Dass es Zeit ist für eine Solar-Revolution, für den Übergang von reiner Solartechnologie zum Solardesign mitsamt individuellen Anwendungsmöglichkeiten, findet auch Michiel Raaphorst vom Architekturbüro V8 Architects. Zur Dutch Design Week 2022 und als Teil der Solar Biennale entwickelte er mit Marjan van Aubel den „Solar Pavilion“ mit einem Dach aus 380 farbigen Solarpaneelen, das auf einer Stahlkonstruktion ruhte. Über ein Gerüst konnten die Besucher*innen zwischen die Paneele hochsteigen und die Kraft der Sonne unmittelbar erfahren.

Bilder: © V8 Architects; ©Samual Wilkinson Studio; Lieselotte Fleur; Jana Buch

Leuchten

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