Eine statische und formale Sensation:
stapelbarer Stuhl Myto aus einem neu
entwickelten Kunststoff. Die netzartige
Oberflächenstruktur belüftet Sitz- und
Rückenfläche. Der leicht nach vorn geneigte,
also negative, Sitzwinkel und die
Sitzkonstruktion eines Freischwingers
bieten eine gute Ergonomie und empfehlen
den Stuhl für jeden Einsatz: Ob
am Essplatz, beim Einsatz im Konferenz-
und Warteraum oder im Auditorium,
immer erfüllt er überzeugend seine
Funktion.
Maße: B 51 x T 55 x H 82 cm, Sitzhöhe
46 cm, maximale Stapelhöhe 8 Stück
Gewicht: 5,6 kg
Material: Ultradur High Speed®, glasfaserverstärkt
Entwurf: Konstantin Grcic
Die Chemie stimmt.
Nach dem legendären Panton-Chair des dänischen Designers
Verner Panton ist MYTO seit 1967 der erste „hinterbeinlose“
Stuhl aus Kunststoff. Um die Anforderungen
an einen bequemen, stabilen und gleichzeitig formschönen
Freischwinger zu erfüllen, muss der Kunststoff genau
das richtige Verhältnis zwischen Elastizität, Steifigkeit
und Festigkeit haben. Es bedarf zur Entwicklung unendlich
viel Zeit, damit Form und Funktion wirklich stimmen.
MYTO wurde von Konstantin Grcic entworfen. Bei einem
Besuch in seinem Studio erzählt er davon, wie menschliche
Beziehungen professionelle Prozesse beeinflussen.
Denn MYTO, sagt Grcic, ist ein gutes Beispiel, Möbelhersteller
zu ermutigen, neue Wege zu suchen und Projekte
mit branchenfremden Partnern umzusetzen.
Der Ursprung seines Entwurfes, der so viel Aufsehen erregt,
liegt beim Chemieunternehmen BASF: Die Ludwigshafener
wollten einen hochinnovativen Kunststoff bekannt
machen. Vor MYTO wandte man sich zur Vermarktung solcher
Werkstoffe ausschließlich an die Einkäufer der Kunden.
Die inspirierenden Gestaltungsmöglichkeiten, die
solche Werkstoffe eröffnen, blieben somit verborgen, weil
Kaufleute anders als Designer denken und die Designer
der Kunden in der Regel von dem Werkstoff gar nicht erst
erfuhren.
Bei BASF wurde deswegen der Plan gefasst, Designern
bei der Anwendung und Einführung neuer Werkstoffe eine
Schlüsselrolle zukommen zu lassen. Es gab jedoch kaum
Berührungspunkte zwischen Chemie- und Designwelt; ein
vom Rat für Formgebung organisierter Workshop – zu dem
Grcic eingeladen war – sollte Abhilfe schaffen. Die wesentliche
Erkenntnis eines Wochenendes: Chemie ist schwer
vermittelbar, ein Möbel aus Chemie schon. Die verblüffende
Einfachheit dieser Erkenntnis ließ Thomas Fritsche, im Unternehmen
für das Marketing des Kunststoffs „Ultradur ®“
zuständig, nicht mehr los. Grcic und Fritsche pflegten ihren
Kontakt, und als Grcic vorschlug, einen freischwingenden
Stuhl zu entwickeln, der die überragenden Eigenschaften
des Materials veranschaulicht, war Fritsche begeistert. Mit
viel Geschick stellte er erstmals im Chemieunternehmen
ein Team zur Entwicklung eines Möbels auf. Damit von der
Idee nicht bloß ein Schaustück bliebe, sondern ein echtes
Produkt daraus werde, bat er Grcic, seinerseits einen Produzenten
mitzubringen.
Grcic entschied sich für PLANK – ein kleines Unternehmen
in Südtirol, das von Vater und Sohn geführt wird. Die
Planks sind erfahren in der Herstellung von Kunststoffmöbeln.
Sie produzieren bereits Sitzmöbel von Grcic und deswegen
wusste dieser, dass sich die Planks vollständig auf
das Projekt – die Entwicklung und den Vertrieb des Möbels
– konzentrieren würden. Kurzfristig sagten der Hersteller
und sein Formen- und Werkzeugbauer zu. Die spontane
Zusammenarbeit von mittelständischen Machern mit Spezialisten
eines Weltkonzerns sprengte die sonst übliche
Routine. Hindernisse gibt es ja bekanntlich immer, bei
MYTO war es nicht anders. Aber wenn die Chemie stimmt,
kann in kurzer Zeit aus einer vagen Idee ein greifbares Produkt
entstehen.
Das Gespräch mit Konstantin Grcic führten Cornelius
Mangold und Stephan Dornhofer.
Konstantin Grcic, Jahrgang 1965, lebt und arbeitet als
Industriedesigner in München. Sein Designbüro KGID
entwirft Möbel, Leuchten und Accessoires u.a. für Authentics,
Moormann, Lamy und ClassiCon. Seine Leuchte
Mayday gehört zur permanenten Sammlung des Museum
of Modern Art in New York.